11. Mai 2017

Reifendruck - Das gratis Mountainbike-Tuning

Auch heutzutage wissen noch viele Mountainbiker nicht, wie viel Luftdruck, dass sie in ihren Reifen drin haben. Wenn ich zu Beginn von meinen Fahrtechnikkursen jeweils in die Runde frage, wer seinen Reifendruck kennt, dann herrscht meistens nur ratloses Schulterzucken. Ab und zu sagt mal ein Teilnehmer: "Vorne 1,7 bar und hinten 1,9 bar". Das freut mich dann immer, entweder hat er die Tipps auf meiner Website gelesen, oder er ist Kunde von einem kompetenten Bikeshop, oder er hat sich selber mit dem Thema auseinander gesetzt und sich darüber informiert.

Dabei bildet der Reifen die erste Kontaktfläche zwischen Mountainbike und Boden und gehört damit zur wichtigsten Komponente am Bike. Und das beste, es ist gratis Tuning! Mit dem richtigen Reifendruck kannst du das Optimum aus deinem Sportgerät herausholen und sicherer und kontrollierter über die Singletrails fliegen.

Nur mit dem richtigen Luftdruck kann sich der Reifen im Gelände festbeissen.

Vollgas am Megavalanche Alpe d'Huez. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten wird der Luftdruck immer entscheidender.



Was ist der richtige Reifendruck?


Mit der immer grösseren Auswahl an Reifenbreiten und Einsatzbereichen, wird auch die Frage nach dem richtigen Luftdruck immer schwieriger zu beantworten. Generell gilt: Zu viel Luft ist nicht gut und zu wenig auch nicht.

Bei einem zu hohen Luftdruck verschenkt man Traktion auf rutschigem Untergrund. Der Reifen kann noch so ein gutes Profil haben, wenn sich dieses nicht im Boden festbeissen kann, dann hat er auch keinen Grip. Bei zu tiefem Luftdruck wird das Fahrverhalten schwammig und undefiniert, das Plattenrisiko steigt und im schlimmsten Fall kann sogar der Reifen von der Felge springen.

Für den normalen Tourenbiker ohne Plus-Bereifung gilt: Nicht über 2,0 bar. Ein Reifendruck zwischen 1,5-2,0 bar ist optimal für jeden Untergrund und bietet genügend Traktion, Vortrieb und Pannenschutz.

Die neuen Plus-Reifen mit einer Breite von 2,8-3,0 Zoll sind dafür gemacht, dass sie mit sehr wenig Luft gefahren werden. Dafür erhält man sehr viel Grip und Eigendämpfung. Für diese Reifen empfiehlt sich ein Druck zwischen 0.9-1,3 bar.

Je besser und schneller, dass man durch das Gelände jagt, desto mehr kommt der richtige Reifendruck zum tragen. Gute Fahrer spüren so ihr Bike und den Untergrund und man hat eine direkte Rückmeldung vom Trail und auf das Fahrverhalten. Daher erhöhen viele erfahrene Piloten den Druck, damit kein schwammiges Fahrgefühl entsteht. Worldcup-Downhiller sind mit bis zu 2,5 bar unterwegs, nur so sind die extrem hohen Kurvengeschwindigkeiten machbar, ohne dass es den Reifen von der Felge zieht.

Egal ob Hobbybiker oder Rennfahrer, suche den für ich optimalen Luftdruck beim Berghoch und Bergrunter fahren. Nimm dir mal eine Stunde Zeit und fahre mit der Pumpe im Gepäck auf deinen Haustrail und probiere verschiedene Drücke aus. Du wirst schnell merken, was der Unterschied zwischen 1,0 und 2,0 bar ausmacht.

Profis messen den Luftdruck auf zwei Kommastellen genau!



Jeder Mountainbiker braucht eine gute Standpumpe


Den Reifen auf gut Glück zu füllen und den Druck mit dem Finger zu ertasten, das ist völlig unprofessionell. Nicht mal ein wenig ambitionierter Biker sollte so unterwegs sein. Eine gute Standpumpe gehört darum zu jedem Mountainbike! Modelle gibt es wie Sand am Meer, die Auswahl an Materialien, Designs und Preisen ist riesig. Nebst den klassischen Pumpenanbietern wie SKS, Blackburn, Topeak, Lezyne, usw. gibt es mittlerweile sogar viele Bikehersteller, die eigene Pumpen im Sortiment führen.

Der Kauf einer Standpumpe ist eine Langzeitinvestition, daher lohnt es sich hier, ein bisschen mehr Geld auszugeben. Mein SKS Rennkompressor ist mittlerweile über 20 Jahre alt, mal abgesehen vom lahmen Manometer, das nicht mehr genau anzeigt, fördert das Teil aber immer noch Luft wie am ersten Tag.

Wichtig sind ein gut lesbares Manometer, ein stabiler Standfuss, ein bequemer Handgriff und ein erzeugbarer Luftdruck von mindestens 8 bar (falls auch mal ein Rennrad gepumpt werden muss). Hilfreich ist ein Kolben mit grossem Volumen, der schöpft mehr Luft, daher sind weniger Pumpstösse nötig.

Auch für unterwegs gehört eine Pumpe ins Gepäck, am besten ebenfalls mit einer Druckanzeige. Perfektionisten können auch noch einen kleinen Luftdruckprüfer mitnehmen, so kann der Druck auch auf dem Trail korrekt eingestellt werden.

Noch keine Idee für das nächste persönliche Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk? Wie wärs mit einer Standpumpe?! ;-)

Welche soll es sein? Eine Auswahl an Standpumpen von Blackburn. Und das sind noch nicht alle...

Kommentare:

  1. Insbesondere mit einem Mountainbike kann man den Luftdruck wirklich nicht oft genug überprüfen. Man macht sich sonst so schnell die Reifen kaputt... Gerade am Wochenende wieder erlebt

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  2. Hallo,

    schon mal die Luftdruckangaben auf den Reifen der Hersteller angeschaut?
    Im Bereich Trail/AM/EN bei Conti mind 3-3,5bar, Maxxis mind 2,5bar etc
    Eine der wenigen Ausnahmen Schwalbe. Willst Du wirklich wie die einschlägigen Bike-Heftchen dies ignorieren als ob die nicht wüssten, welcher Druck für die optimale Funktion ihrer Reifen notwendig wäre? Habe diesbzgl. mal Maxxis angeschrieben. Die Antwort war unmissverständlich: Der Bereich der auf dem Reifen ist für eine korrekte Funktion notwendig, alles andere fahrlässig. Deshalb erscheint mir dieses ganze Niederdruck-Hype nur dazu da, um Schwalbe zu puschen.
    Oder sind etwa die anderen Hersteller zu dumm, den richtigen Druck für ihre Reifen zu ermitteln?

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    1. Die Angaben der Reifenhersteller kann man wohl getrost ignorieren (die sind wahrscheinlich nur so definiert, um sich im Schadenfall abzusichern...). Bist du schon einmal mit 3,5 bar einen anspruchsvollen Trail gefahren? Es ist beinahe unmöglich, das Bike mit solch harten Reifen zu kontrollieren. Ich bike schon seit 28 Jahren und wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es, dass man mit wenig Reifendruck fährt. Und wenn sich sogar die (bezahlten) Magazine nicht an die Herstellerangaben halten, dann wird schon etwas wahres dran sein. Gute Fahrt und viel Spass, mit wie viel Reifendruck auch immer!

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    2. Ich weiß. Deine Argumentation kann ich nachvollziehen, da ich selbst mit niedrigeren Drücken gut/besser unterwegs war. Was eben irritierend war, waren die Tatsache, dass viele namhafte Reifenhersteller ihre Mindestdrücke trotz allem so hoch ansetzen/angesetzt haben. Eigentlicher Nachtrag: ich habe gerade die neuen Conti MountainKing bekommen und...seit neuestem keine Angabe eines Mindestdruckes mehr...Tja, dann wohl auch bei Conti jetzt:
      Gute Fahrt im Tiefdruckgebiet! ;-)
      PS: Danke für die rasche Stellungnahme!
      Grüße!

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