02.01.2017

Tipps für das Biken im Winter

Wenn die Kälte nicht wäre, dann wäre der Winter eigentlich die schönste Jahreszeit zum Biken. Die Trails sind griffig und schnell, es herrscht kein Verkehr auf den Wegen, es ist ruhig und still und die Landschaft zeigt sich in einem zauberhaften Kleid.

Wenn man im Winter aufs Bike steigen möchte, dann gibt es einige Dinge zu beachten, dazu gleich mehr. Zuerst gilt es aber natürlich die Motivation zu finden und den inneren Schweinehund zu überwinden, schliesslich ist es ja zu Hause in der warmen Stube eigentlich viel schöner, als draussen in der Kälte auf den eisigen Trails. Ich habe dieses Problem zum Glück nicht, wenn ich Lust auf Biken habe (und das habe ich eigentlich immer), dann schlüpfe ich in meine Ausrüstung und gehe fahren. Und noch was, ein kurzes Training an der frischen Luft härtet ab und ist gut für das Immunsystem.

Fahren im Winter hilft zusätzlich zur Verbesserung der Fahrtechnik und macht einfach unglaublich viel Spass!

Nur beim Biken im Winter erlebt man solche Landschaften!

Yeah! Leicht gefroren, schnell und griffig.

Singletrails in weiss haben auch ihren Reiz!

Die richtigen Kleider


Damit die Fahrt bei kühlen Temperaturen nicht gleich zum Frust wird, ist die richtige Kleidung der wichtigste Faktor. Hier ist zumindest am Anfang ausprobieren angesagt, denn jeder Mensch hat ein anderes Kälteempfinden. Ich selbst habe selten kalt, mir reicht so meist eine Schicht Klamotten weniger, als vielleicht jemanden, der schnell friert. Und daran denken, es wird automatisch warm, sobald man in die Pedale tritt, daher lieber nicht zu viel anziehen zu Beginn der Tour. Problematisch sind vor allem Hände und Füsse, da hat man am schnellsten kalt.

Unter dem Helm empfiehlt sich eine "Badekappe", die den ganzen Kopf und die Ohren abdeckt. Jede Bekleidungsmarke führt so ein Teil im Sortiment, die Auswahl ist riesig, die Unterschiede aber gering. Eine Windstopper Membrane ist sicher von Vorteil, damit die Zugluft gut abgehalten wird.
Ein Stirnband finde ich persönlich unpraktisch, meistens sitzt das Teil nicht richtig unter dem Helm, es verrutscht und verursacht so Druckstellen. Zudem ist die Schädeldecke nicht geschützt und man kriegt einen kalten Kopf. Übrigens, es lohnt sich immer, so ein Wintercap im Rucksack dabei zu haben, selbst im Sommer kann es in den Bergen mal unerwartet kühl werden (ich habe mittlerweile eine grosse Sammlung an Caps, da ich immer wieder mal einen Notfall hatte...).

Meine Sammlung an Wintercaps wird immer grösser...


Am Oberkörper kann man gut mit dem Zwiebelprinzip arbeiten, je nach Temperatur sind zwischen 2 und 5 Lagen nötig. Direkt auf der Haut trägt man ein kurzes oder langärmliges Thermoshirt, welches den Schweiss nach aussen trägt. Als zweite Schicht eignet sich ein langärmliges Bikeshirt, in dünner oder dicker Ausführung. Die äusserste Schicht ist eine Jacke, die wasser- und windabweisend sein sollte. Ich trage seit diesem Winter eine Daunenjacke mit Primaloft Fütterung, diese gibt richtig schön warm und ich kann so darunter nur ein Themoshirt tragen. Nur bei nassen Bedingungen ist das Material nicht optimal, da es sich schnell mit Wasser aufsaugt. Um den Hals abzudecken, ziehe ich manchmal noch ein Röhrenhalstuch (Buff ist die bekannteste Marke) über und kann so auch Mund und Nase schützen. Gerade wenn es sehr kalt ist hilft es, wenn man die kühle Luft nicht direkt in Lunge und Bronchien zieht.

Eine Daunenjacke hält mich flauschig warm.


Bei den Hosen trage ich als erste Schicht eine ganz normale kurze Trägerhose mit Sitzpolster. Dazu entweder Knielinge oder Beinlinge. Statt den Strümpfen kann man auch eine lange Bikehose anziehen. Und darüber eventuell sogar noch eine Shorts, so sind die Weichteile gut vor Kälte und der Hintern vor Nässe geschützt. Oft trage ich eine ganz eng anliegende synthetische Jogginghose darüber.

Eine enge Jogginghose schütz vor Zugluft und Schmutz.


Nun kommen wir zum schwierigsten Thema, die richtigen Handschuhe und Schuhe. Meine Suche nach dem perfekten Hand- und Fussschutz dauert etwa schon so lange, wie meine ganze Bikekarriere: über 25 Jahre... Das Problem ist, dass die Füsse während dem Biken nicht gebraucht werden, diese sind fix in den Pedalen eingeklickt und sind direkt dem Fahrtwind ausgesetzt. Auch die Hände und Finger haben ein passives Dasein und kühlen dementsprechend schnell ab.

Bei den Füssen ist erstens eine gute Socke entscheidend. Modelle mit Merinowolle oder mit Windstopper Membrane haben sich als optimal erwiesen. Die Socken sollten übrigens nicht zu dick sein, denn wenn man die Zehen im Schuh nicht mehr bewegen kann, dann friert man ebenfalls. Bei den Schuhen habe ich bis jetzt noch keine Lösung gefunden, die mir bei einer Ausfahrt von über 3 Stunden noch warme Füsse garantiert. Spätestens nach ca. 2 Stunden beginnt das Kribbeln und später dann das Taubheitsgefühl. Zur Zeit fahre ich abwechslungsweise einen Giro und Specialized Schuh. Beide überzeugen mich nicht vollends, aber irgendwie findet man sich damit ab, dass man an die Zehen friert... Helfen kann auch noch, wenn man unter der Einlegesohle eine Schicht Duct-Tape anbringt, damit die Öffnung für die Schuhplatten garantiert verschlossen ist. Gemäss Aussagen von Freunden und positiven Testberichten ist der Lake MXZ303 momentan das Mass der Dinge, wenn es um gute Winterschuhe geht.
Zusätzliche Schuhüberzüge sind nur bedingt empfehlenswert, ausser man muss nie aus dem Pedal. Sobald man absteigt, gehen die Dinger beim Laufen sehr schnell kaputt. Zusätzlich schiebt sich die Zehenkappe irgendwann über den Schuh und man ist wieder direkt der Kälte ausgesetzt.

Giro und Specialized Winterschuhe begleiten mich durch die Kälte.


Bei den Handschuhen können die typischen Bikekleiderproduzenten bis jetzt nicht überzeugen. Die meisten versprechen viel, halten aber wenig. Ich habe schon ein Dutzend Winterhandschuhe getestet, immer hatte ich nach weniger als 2 Stunden kalte Finger. Auch hier ist das Problem, dass ein Handschuh sehr viel können muss, aber alle gewünschten Kriterien gar nicht erfüllen kann. Er darf nicht zu dick sein, sonst hat man kein Gefühl am Lenker und trotzdem muss er gut wärmen. Fündig geworden bin ich vor einigen Jahren in der Abteilung für Bergsport. Die Eiskletterer brauchen ähnliche Handschuhe wie wir Biker, sie müssen den Pickel gut halten können und gleichzeitig müssen Minustemperaturen ausgehalten werden. Und tatsächlich, das funktioniert! Mit meinen jetzigen Snowlife Handschuhen habe ich warme Finger, ich kann den Lenker gut halten und die Brems- und Schalthebel problemlos bedienen.

Was für Eiskletterer gut ist, funktioniert auch bei Bikern.


Mountainbike Setup


Das Mountainbike selbst kann man eigentlich so fahren wie immer. Man braucht auch kein Fatbike, solange es nur wenig Schnee hat, geht das normale Bike problemlos.

Wegen der Kälte wird allerdings das Schmieröl in den Federelementen und in den Scheibenbremsen zähflüssig. Am besten nach einigen Minuten draussen mal Federgabel und Dämpfer drücken. Wenn sie langsamer sind als sonst, einfach beim Rebound 3-5 Klicks verstellen, damit sie schneller werden (nicht vergessen im Frühling wieder langsamer zu machen). Die Bremshebel werden auch einen härteren Druckpunkt haben, dieser wird aber weicher, wenn die Bremse richtig heiss wird.

Bei den Reifen sollte man ein Modell wählen, dass gutes Profil hat. Mit dem Semislick vom Hochsommer wird man kaum glücklich werden. Ein bisschen breiter darf er auch sein, 2.3-2.5 Zoll bieten allgemein mehr Grip und im Schnee noch mehr Auftrieb. Falls man viel im Schnee fährt, dann sollte der Reifendruck um 0,3-0,5 bar gesenkt werden, so hat man optimale Traktion.

Und das Beste: Im Winter muss man weniger das Bike putzen, als in allen anderen Jahreszeiten. Wenn der Boden gefroren ist, dann ist es super sauber auf dem Trail!

Im Winter ist der Boden gefroren, sauber, schnell und griffig.


Trinken und Essen nicht vergessen


Bei Kälte und Minusgraden vergisst man oft das Trinken, da der Körper weniger Durstsignale aussendet. Man schwitzt aber auch im Winter und daher ist die regelmässige Flüssigkeitszufuhr wichtig. Auch eine Kleinigkeit zum Essen sollte man immer dabei haben. Die Kalorienverbrennung läuft ebenfalls auf Hochtouren, nebst dem Bewegungsapparat muss der Körper auch noch seine Betriebstemperatur immer hoch halten.

Ich fülle meine Trinkflasche jeweils mit heissem Tee oder Punsch. Der ist zwar nach einer halben Stunde kalt, aber nur schon der Geschmack von einem Wintergetränk macht gute Laune.



Hier noch eine kleine Motivation für die nächste Ausfahrt bei Kälte und Schnee. Viel Spass auf dem Bike wünscht dir der Fit for Trails Guide!


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